Durch Lehren lernen wir.
Seneca
| Workshopp 11Protokoll Workshop 11 ? Wissenschaftliches Arbeiten, Evidence based Medicine |
Freitag, 08.10.Vorstellung der Seminarleiter: Dr. Jacqueline Müller-Nordhorn, Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie, Charité, Berlin Dr. Jörg Marienhagen, Nuklearmedizin, Klinikum der Universität Regensburg Vortrag: Hr. Martin Bergold, Johann Wolfgang von Goethe - Universität, Frankfurt (M.): Integrationsmöglichkeiten neuer medizinischer Konzepte am Beispiel der Evidence based Medicine Hr. Bergold stellt die Integrationsmöglichkeiten des Bereichs Evidence based Medicine (EBM) in Curricula nach der neuen ÄappO vor. Während er eine Integration in die Vorklinik als benotetes Wahlfach für weniger vorteilhaft befindet, da die Studierenden zu diesem Zeitpunkt zu wenig klinische Erfahrung gesammelt hätten, schlägt er eine Integration von EBM in den klinischen Abschnitt vor. EBM ließe sich danach grundsätzlich als Vorlesung, Seminar, Praktikum oder in Studiengruppen lehren. Dabei könnte die Einbindung unter Berücksichtigung der Leistungskontrolle sowohl als Teil eines Pflichtfaches, eines Wahlfaches oder eines Querschnittsbereichs erfolgen. Als derzeitige Schwierigkeiten für die Integration nennt er v.a. die mangelnde Unterstützung durch die Fakultäten sowie inadäquate Zahl und Ausbildung von EBM-Fachkräften. In der Diskussion wird die mangelnde Unterstützung durch die Fakultäten auch von anderer Seite als Problem unterstrichen, vor allem, da die Anerkennung von EBM als Methode in der klinischen Tätigkeit essentiell für eine curriculare Integration sei. Kritisch angemerkt wird, dass die Studierenden gerade von Beginn des Studiums an von einer EBM-Veranstaltung profitieren würden, um eine problemorientierte Motivation zu vermitteln und eine Außenseiterrolle des Themas zu vermeiden. Vortrag: Fr. Nicole Griepentrog, Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf: Blockpraktikum Wissenschaftliches Arbeiten im Modellstudiengang des UKE Fr. Griepentrog stellt zunächst kurz die Organisationsstruktur des Modellstudiengangs bzgl. des POL-Konzeptes im 1.-6. Semester und Trimester-Blöcken mit jeweils 6 Themenblöcken sowie 1 Wahlfach vor. Im Bericht über das Blockpraktikum (BP) Wissenschaftliches Arbeiten berichtet sie über durchweg positive Ergebnisse in der studentischen Evaluation in bezug auf Wissenszuwachs, Spaß und Organisationsstruktur. Das BP habe sich über 3 Wochen des 5. Semesters erstreckt, wobei anhand eines POL-Falles die Inhalte durch Bibliotheksführung, Literaturrecherche, ein Biometrie-Seminar, Expertenkonsultation, ein Seminar zu Präsentationstechniken sowie zur Beurteilung der Studienlage erarbeitet worden seien. Am Ende des Blockes sei der Lernerfolg durch Begutachtung von Referaten durch einen Biometriker erfolgt. Die Leistung der Fakultät bei 20 Studenten habe einen Umfang von 34 Stunden ohne Vorbereitungszeit umfaát. Zusammenfassend halte sie ein BP für die Lehre von EBM geeignet. In der Diskussion wird kurz über den Sinn einer Korrellationsrechnung der Eigenevaluation zu den Ergebnissen der studentischen Leistungskontrollen diskutiert. Während eine solche Darstellung nicht unbedingt eine Aussage über Kausalitäten zuließe, sei dieses nur durch eine Kontrollgruppe zu zeigen, deren Einführung jedoch nicht praktikabel sei. Samstag, 09.10.Vortrag: Hr. Tobias Weberschock, Johann Wolfgang von Goethe - Universität, Frankfurt (M.): EBM scheinpflichtig? Ergebnisse des Frankfurter Modells Hr. Weberschock stellt die Betreuungssituation der Studierenden im Bereich EBM mit einem Verhältnis Tutor : Studierende von 1 : 6 vor und weist auf die schnellen Antwortwege auf Anfragen via email (innerh. 48 Std.) hin. Der Ablauf des Unterrichts beinhalte zu Beginn die Kreation einer präzisen Frage anhand eines Fallbeispiels sowie die daraufhin geführte Internetrecherche. In den folgenden beiden Tagen würden therapeutische Probleme sowie diagnostische Erwägungen besprochen bevor am vierten Tag Ergebnisse vorgestellt würden. Die Leistungskontrolle erfolge auf drei Feldern: Testbogen mit 61 MC Fragen, MCQ eines Fallbeispiels aus einem Pool von 70 Beispielen sowie Eigenevaluation anhand eines Fragebogens. MC-Fragen und MCQ-Fälle seien vom EBM-Bereich entwickelt worden, indem EBM geschulte Studierende arbeiteten. Die Studierenden hätten die Veranstaltungen hinsichtlich Lernerfolg, Klinikrelevanz und fachlicher Durchführung im Median für "gut" befunden. Im Fazit zeige sich ein von den Studierenden akzeptiertes Modell, Wissen zu vermitteln, das im Transferbeispiel angewendet werden könne. In der Diskussion wird die zusätzliche Erhebung von Motivationsparametern empfohlen, um eine zusätzliche Aussage über die intrinsische Lernmotivation der Studierenden machen zu können. Vortrag: Fr. Ellen Kraus-Mackiw Wie werden zukünftige Ärzte darauf vorbereitet, sachverständig auszusagen? Fr. Kraus-Mackiw berichtet über Defizite in der Gutachtenskunde, die nicht nur durch Ausbildungsdefizite, sondern auch durch differente Rollenbilder des Arztes erwüchsen. Während häufiger Gutachten "aus dem Bauch heraus" erstellt würden, setze das BGB eine Angemessenheit zwischen Verstand und Sache als Grundlage des ärztlichen Rollenverständnisses im Gutachtensprozeáss voraus. Da ein Gutachten zusätzlich auf Wahrscheinlichkeiten gestützte Prognosen verlangen würden, die keineswegs allein auf Erfahrungswerten beruhen könnten, wäre deshalb die Lehrer von EBM auch für die Gutachtertätigkeit essentiell. Vortrag: Hr. Nik Koneczny, Universität Witten/Herdecke: EBM Curriculum im Modellstudiengang der Universität Witten/Herdecke Hr. Koneczny berichtet über die Ziele des EBM Curriculums, das als Strangmodul vom 1.-10. Semester über 4-20 Std. Jje Semester im Rahmen eines Wahlpflichtseminars mit Leistungsnachweis und Benotung unterrichtet werde. Das Konzept sei die praxisbezogene und studienbegleitende Anknüpfung der Inhalte an POL-Fälle oder Klinikerfahrungen. Die Ziele seien, die Studierenden zur Recherche, zur eigenständigen Urteilsbildung, zur Umsetzung der Ergebnisse in den klinischen Alltag und zur Evaluation der Arbeit zu befähigen. In der derzeit in Etablierung befindlichen Benotung werde die Ausarbeitung von drei wissenschaftlichen Studien, einer Studie im Rahmen eines Laborpraktikums oder innerhalb einer Kleingruppe von 2-4 Personen bewertet. In der studentischen Evaluation werde vor allem kritisiert, dass das Thema zu trocken sei, während die klinische Relevanz als hoch angesehen wird. Vortrag: Hr. Nik Koneczny i.V. von Hr. Horst Vollmer, Universität Witten/Herdecke : EBM Fortbildung im Netz Hr. Koneczny berichtet über die Internetplattformen medizinerwissen.de und leitlinien-wissen.de. Das Ziel dieser Leitlinien sei, den knowledge-gap von 10-15 Jahren aufgrund einer Publikationsflut von 1,5 Mio. Artikeln pro Jahr zu reduzieren. Auf der Plattform leitlinien-wissen.de gebe es die Möglichkeit, durch die Beantwortung eines Quiz zu den Leitlinien, das eine unmittelbare Auswertung der Antworten enthalte sowie eine Evaluation der erzielten Ergebnisse im Vergleich zu anderen Nutzern erlaube, ein Fortbildungszertifikat zu erlangen, sofern mind. 70 % der Antworten korrekt sind. Zurzeit seien die Fragen als MC konzipiert und sollen zukünftig als fallbasierter Test i.m Rahmen eines MCQ umgestaltet werden. In Zukunft sei die Finanzierung der Leitlinien, die bisher hauptsächlich durch Spenden möglich war, weiter ungewiß. |